Super, Mann!

Comicfinder Mika Robit sucht Trost beim Stählernen

Freitag, 9. Juli
Wenn mir jetzt noch einer von den Kollegen ein frohes Wochenende wünscht, schaukle ich mich ins Koma. Grrrrr … Keiner ahnt, was mir wieder bevorsteht. Sonst würden alle auf Zehen vorbeispitzen und gedämpft weinen. Freitagabend. Das Grauen naht. Schauder! Ich kann jetzt schon den kratzigen Stoff fühlen. Und es krümelt mir den Geschmacksnerv … wenn ich nur an diesen kalten Fischkram denke. Dabei hasse ich alles, was nach Manga schmeckt!

Leuts, meine Freitage sind Hölle. Ächz. Mein so genanntes Schatzi zelebriert dann unsere Beziehung. Unerbittlich.

Vor so anderthalb Jahren kam ich auf die Wohlstandsidee sie zu beflirten. Zu erobern. Sie zu daten. Halligalli. So ein Date muss natürlich ein Überzeuger sein. Aber für Blumen war keine Zeit, zum essen gehen kein Geld, für Romantik kein Nerv. Also: Risiko! Einladung zu mir nach Hause. Schwitz! Ein Freitag wars. Ein hektischer Freitag.

In der Redaktion wurde Olle Theo verabschiedet. Ruhestand. Betonung von nun an auf Ruhe. Angesagt war Feierstunde. Warme Worte. Kalte Platte. Gesülze mit Sülze. Würg! Ich hatte mich in so einen alten Konfirmationsanzug gepresst. Knarz! Früher gabs zum letzten Vorhang ja originelle goldene Uhren. Theo bekam als Dankeschön einen Bigpack Sushi. Er saß da wie Stein. Grummelte „Passend … roher Fisch!“, schob mir die gesammelten Kiemen rüber und ging. Abspann. Ich hab Theo seither nicht wieder gesehen.

Ich schaffte es gerade noch so in meinen Zweiraumluxus. Hechel! Schnauf! Jedenfalls empfing ich meine holde Gewollte seriös gewandet und ausgerüstet mit Flossen XXL. Sie machte nur immer „Hach!“ und ich war nicht sonderlich sicher. Aber „Hach!“ war positiv und der Abend ein Erfolg. Aber wohl eher, weil ich so gut Donald Duck imitieren kann. Sqwaak!

Tja. Das Schatzi ist eine treue Seele. Eine Seele, die dieses rührende erste Treffen nicht vergessen kann. Seufz. Das Schatzi hasst Veränderungen. Doppelseufz. So zog sie einfach ein. Und seither verdreht sie schon donnerstags die Augen. Und „Hach!“ bedeutet mittlerweile: „Morgen ist Freitag, Bärli!“ Also: Einreiher rauslegen, Soja kaufen. Ich bin eine Ruine. Der nächste Wasabi wird zum Kotzo-Maki.

Samstag, 10. Juli
An manchen Tagen sind Kalle und seine Comicothek meine Oase … meine Kathedrale. Allein dieses Wort: Co-mi-co-thek. All die beruhigenden Bilderheftchen, die stellen keine Forderungen, säuseln höchstens verlockend. Überhaupt redet man gedämpft, es herrscht das Wispern umblätternder Seiten. Und: Nur selten riecht es hier nach Fisch.

Palimm-palimm.

Kalle, der Einfallsreiche, sieht mich reinhuschen und weiß sofort alles. Er kennt die Menschen. Muss der tägliche Umgang mit Comics sein.„Aha, Schuschi-Tag“, murmelt er mild. Der kann so mitfühlend sein (deshalb habe ich es auch aufgegeben, ihm Auswärts-Sprech beizubringen).

Ich schleiche bedrückt an prallen Regalen lang. „Manchmal muss man die Vergangenheit hinter sich lassen!“ Oh, die Stimme des Meisters. Der Herr über die neunte Kunst hat gesprochen. Ein kompletter Satz. Ein tiefgründiger dazu. Ehrfurcht!  Scheu blicke ich zu Kalle hinüber. Der kruschtelt hinterm Tresen. Vor ihm liegt ein zerbröselter Glückskeks vom Chinesen nebenan.

Ich geb das Echo: „Japp. Manchmal muss man die Vergangenheit hinter sich lassen!“ Kalle weiß, wovon er redet. Er hat vier Kinder mit vier verschiedenen Frauen. Ein Könner im Hinter-sich-lassen.